Am Ende und doch am Anfang

Nach insgesamt 25 Prüfungen, einer 100-seitigen literaturwissenschaftlichen Abschlussarbeit, ziemlich viel Durchhaltevermögen und jeder Menge Grüntee war es im Juni endlich soweit. Ich habe mein Studium in der Regelstudienzeit von 11 Semestern inklusive zweier im Ausland verbrachter Semester abgeschlossen. Obwohl die Abschlussnote letztendlich sehr gut geworden ist, gibt es doch etwas, das mich nachdenklich macht.

Da ich mich schon recht lange für Japan interessiere und das Land unter anderem auch bei einem Praktikum in der Kulturabteilung des Goethe-Instituts in Tokyo kennenlernen durfte, habe ich mich dazu entschlossen, mich während meiner Examensphase einfach mal in Japan zu bewerben. Der Plan war eigentlich, vorerst für einen Zeitraum zwischen einem und drei Jahren in Japan als Lehrer für Deutsch, Englisch und/oder Französisch zu arbeiten und währenddessen mein Japanisch zu verbessern. Natürlich habe ich auch ziemlich ausführlich im Internet recherchiert und kenne inzwischen so ziemlich alle einschlägigen Seiten, Blogs und Stellenmärkte. Dabei wurde mir auch klar, dass privater Fremdsprachenunterricht in Japan ein riesiger Markt ist, bei dem in den allermeisten Fällen weder Schüler noch Lehrer, sondern einfach nur der Profit im Mittelpunkt steht. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Das Gros der Stellen sind Stellen für Englischlehrer und da ist die Konkurrenz natürlich enorm durch zehntausende vor allem britische und amerikanische Muttersprachler, die jährlich nach Japan ziehen im Rahmen eines Gap-Years, auf der Flucht vor irgendwas oder einfach, um Geld für die Rückzahlung ihrer Studienkredite zu verdienen. Da auch unmotivierte Muttersprachler gegenüber besser qualifizierten Nicht-Muttersprachlern fast immer bevorzugt werden, ist es sehr schwierig, wenn auch nicht unmöglich für Letztere, eine Stelle zu bekommen. Dass diese fragwürdige Einstellungspolitik auch einer der Gründe für die immer noch sehr dürftigen Englischkenntnisse auch jüngerer Japaner ist, spielt letztlich für die großen Privatschulketten keine Rolle, da es denen wie gesagt nur um Profit geht und die Muttersprachler in solchen Massen nach Japan kommen, dass sie prinzipiell immer austauschbar sind. Im Endeffekt habe ich mich etwa zwanzig Mal auf Stellen als Englischlehrer beworben und war leider letztendlich erfolglos. Später wurde mir überraschenderweise noch mitgeteilt, dass ich eventuell für eine Stelle als Deutschlehrer in Osaka in Frage kommen würde, allerdings wollte man die Stelle so schnell wie möglich besetzen und ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine ziemlich aufwändige Reise geplant und gebucht, die ich nur mit großem finanziellen Schaden absagen hätte können. Als ich die Schulkette dann informiert habe, dass ich erst ab September anfangen kann, war mir eigentlich klar, dass sie mich sofort fallenlassen und den nächstbesten Anderen nehmen würden und so kam es dann auch. Mein persönliches Fazit ist, dass man auch bei guter Qualifikation einfach Glück haben muss, um als Deutscher eine Stelle als Sprachlehrer in Japan zu bekommen.

Auch wenn ich nun irgendwie auch einen Traum zumindest vorerst begraben muss, habe ich trotzdem das Gefühl, an dem Bewerbungsprozess und den ganzen Vorbereitungen gewachsen zu sein. Ich frage mich oft, ob ich vielleicht nicht energisch genug gewesen bin und ob ich mich eventuell vor Ort in Japan hätte bewerben sollen. Außerdem habe ich mich nur auf ausgewählte Stellen beworben und mir immer wieder meine zwei Argumente gegen Japan vorgehalten: die im Sommer unerträgliche Hitze und das für mich als Vegetarier oft schwierige Essen. Trotzdem wäre ich im Falle des Falles nach Japan gegangen und glaube auch daran, dass ich in diesem oder einem anderen Zusammenhang doch noch eine längere Zeit in Japan verbringen werde.

Vorerst werde ich aber im Rahmen des Referendariats an einem Gymnasium irgendwo in Bayern als Lehrer arbeiten. Leider ist es momentan so, dass die Berufschancen für Gymnasiallehrer nach dem Referendariat momentan nicht besonders gut aussehen. Das ist zwar einerseits enttäuschend, andererseits sehe ich darin aber auch eine Chance, da man so natürlich zur Eigeninitiative gezwungen ist und ich hoffe sehr, dass diese Umstände dann dazu führen werden, dass ich wieder dem Glücksversprechen der großen weiten Welt folgen kann, ganz so wie es Arthur Rimbaud in seinem Gedicht Sensation beschrieben hat:

Par les soirs bleus d’été, j’irai dans les sentiers,
Picoté par les blés, fouler l’herbe menue,
Rêveur, j’en sentirai la fraîcheur à mes pieds.
Je laisserai le vent baigner ma tête nue.

Je ne parlerai pas, je ne penserai rien :
Mais l’amour infini me montera dans l’âme,
Et j’irais loin, bien loin, comme un bohémien,
Par la nature, heureux comme avec une femme.

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