En Vogue

In Deutschland haftet Mode manchmal der Ruf des Oberflächlichen und Bedeutungslosen an. Dieser Eindruck wird zusätzlich verstärkt durch in den Medien dauerpräsente spleenige High-Fashion-Diktatoren und dümmliche Magermodels. Andererseits ist Deutschland erwiesenermaßen nicht gerade ein Modemekka und gerade auch akademische Berufsgruppen gelten als besonders schlecht angezogen. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob sich diese Kopfarbeiter nun zu Recht über derartige Nichtigkeiten erhoben haben oder ob vielleicht die ganze Bedeutung des Phänomens Mode im Elfenbeinturm noch nicht angekommen ist.

Eigentlich ist ja die Herausbildung guten Geschmacks eines der wichtigsten Ziele umfassender Bildung. Stolz führt der Intellektuelle seine Bildung in so verschiedenen Bereichen wie Literatur, Musik und Malerei vor und vergisst dabei immer wieder Kleidung und Mode, die ebenso wie die genannten Bereiche komplexe Zeichensysteme voller zeitloser Klassiker und ironischer Zitate sind und genau wie andere Kunstformen unser Leben gleichzeitig abbilden und beeinflussen. So wird auch Kleidung zu einem interessanten Spiel mit Signifikaten und Signifikanten und da dieses Spiel unmittelbar sichtbar an der Oberfläche ausgetragen wird, wirkt es umso direkter und nimmt das Geschmacksurteil über die jeweilige Person vorweg.

marcelloDas waren noch Zeiten: Marcello wusste, wie es gemacht wird.

Ein derartiges Urteil ist letztendlich immer auch ein Urteil des Trägers der Kleidung über sich selbst und eine Botschaft an Andere. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt und den Verfall des Modegeschmacks mit einem allgemeinen Sitten- und Geschmacksverfall in Verbindung bringt. Natürlich ist Haute Couture selten bezahl- und tragbar und sollte in ihrem exklusiven Kontext eher als Kunst mit Ausstellungswert interpretiert werden.  Alltagskleidung aber spielt in jedem Fall eine wesentliche Rolle in Bezug auf die Art, wie man sich immer wieder von neuem der Welt stellt und von ihr wahrgenommen wird. Das kann sich gewollter Eleganz bis hin zu bewussten Brüchen ganz unterschiedlich äußern, aber wie sooft gilt auch hier: wer sich Gedanken über etwas macht, hat mehr davon.

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