Kampf vs. Kunst

Kampfkunst. Allein schon das Wort klingt irgendwie widersprüchlich. Da ist einerseits der archaische Begriff des Kampfes, den es in unser scheinbar zivilisierten Gesellschaft beinahe nur noch als Metapher gibt, kaum mehr aber in seiner eigentlichen Bedeutung eines gewaltsamen Aufeinandertreffens. Auf der anderen Seite des Wortgebildes finden wir überraschend den Begriff der Kunst, der wieder einmal für das Schöne, das Wahre und das Gute steht, vielleicht auch für das prätentiöse Gebaren einer selbsternannten Elite, in jedem Fall aber für etwas ganz anderes als der Kampf.

sparringWem der Begriff der Kampfkunst unterkommt, der entscheidet sich meistens intuitiv für einen der beiden Aspekte, ganz egal ob als Außenstehender oder Aktiver. Auf den ersten Blick lässt es sich leichter über den Kampf urteilen. Man kann ihn schnell zu seinem besten Argument machen, mit dem Wissen oder zumindest der Hoffnung, einen anderen Menschen unmittelbar physisch zerstören zu können. Dabei handelt es sich selbst in der heutigen Zeit um eine grundlegende, im Menschen angelegte Wahrheit. Natürlich ist dieser Aspekt auch sehr leicht anzugreifen, gerade vom hohen Ross des Gutmenschen, der den Kampf als archaisches Aufeinanderprallen Minderbemittelter denunziert.

Interessanterweise setzen auch die Verfechter der Kunst unter den Kampfkünstlern an diesem Punkt an. Da wird prätentiös das Mantra wiederholt, dass der eigentliche Kampf nur im Inneren gegen sich selbst stattfindet, während die direkte und haltlose Auseinandersetzung nur etwas für dumpfe Zeitgenossen ist, die sich nicht in die luftigen Höhen dieser Metaebene schwingen können. Genau hier schließt sich jedoch der Kreis, da diese Kunst einer Überprüfung durch die Realität in Wettkampf- oder realen Verteidigungssituationen oft nicht standhalten kann. Und so kann letztendlich der Kämpfer dem Künstler seine Realitätsferne und Affektiertheit vorwerfen, genauso wie sich andersherum der Feingeist seiner Überlegenheit gegenüber dem Haudrauf sicher ist.

Vielleicht sollten wir anfangen, Kampfkunst als das zu sehen, was sie wirklich ist. Ein kompromisslos ehrlicher Sport, aber auch eine beeindruckende Metapher, die so grundlegende Seiten des menschlichen Lebens wie Durchsetzungsvermögen, Risikobereitschaft, Leidenschaft und Hingabe illustriert. Das ist zwar wieder keine klare und hinreichende Definition von Kampfkunst, aber zumindest ist es die Einsicht, dass das Phänomen viel komplexer als oftmals dargestellt ist und mehr Aufmerksamkeit auch hierzulande verdient hat.

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